Inhalt Heft 4/25
Tilke Platteel-Deur: Ethisches Verhalten in Atemsitzungen
Wilfried Ehrmann: Der Atem als spirituelle Quelle
Szilvia Kondor: Mit dem Atem die Unendlichkeit der Liebe erfahren
Wilfried Ehrmann: Traumerforschung in der Atemarbeit
Naomi Cik: Nasen- und Mundatmung
Rückblick auf das 2. Breathing-Festival in Reichenau – Verbunden atmen, verbunden sein (Andreas Spornberger)
Leseprobe:
Tilke Platteel-Deur: Ethisches Verhalten in Atemsitzungen
Ethisches Verhalten bedeutet nicht nur, sich an Regeln zu halten, sondern einen echten Zustand von Präsenz und Fürsorge zu verkörpern. Es gründet sich mehr auf unsere innere Haltung als auf äußere Handlungen. Dies entspricht der Notwendigkeit von Authentizität in der therapeutischen Praxis – voll präsent zu sein und mit einer inneren Einstelleng hoher Integrität zu arbeiten. Wirklich präsent zu sein bedeutet auch eine sinnliche Verbindung mit sich selbst, die mehr verlangt als bloß achtsames Gewahrsein.
Da die Intimität in der Atemarbeit sehr kraftvoll ist, müssen Therapeuten besonders wachsam bleiben, um professionelle Grenzen einzuhalten. Nur so bleibt die therapeutische Beziehung ethisch – unabhängig von der Tiefe der erlebten Verbindung. Da das geteilte Energiefeld Therapeuten ebenso beeinflusst wie Klienten, sind regelmäßige Selbstfürsorge, Erdungstechniken und Supervision essenziell, um ihr Wohlbefinden und ethische Präsenz zu sichern.
Sexuelle Beziehungen zwischen Therapeuten und Klienten sind immer schädlich, da das gegebene Vertrauen missbraucht wird. Klienten kommen zu uns, um Heilung zu erfahren – nicht für Sex oder sexuelle Aufmerksamkeit.
Außerdem besteht immer eine Ungleichheit in der Machtstruktur zwischen Therapeuten und Klienten – ebenso wie zwischen Ärzte und Patienten oder Anwälte und Mandanten.
Alle Menschen in einer ‚höheren‘ Machtposition laufen Gefahr, die feine Linie zwischen gesunder Autorität und sexueller Grenzüberschreitung zu übergehen.
