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Asthma

Asthma und Körper

Asthma ist eine der am längsten bekannten und weitesten verbreiteten Atemkrankheiten. Dennoch sind ihre Ursachen noch nicht zu Gänze bekannt. „Eine Voraussetzung für die Entstehung der Krankheit ist ein (möglicherweise vererbtes) überempfindliches Bronchialsystem. Ob sich allerdings daraus wirklich Asthma entwickelt, hängt von weiteren Faktoren ab.“ (Voss, S. 6). Zu diesen Bedingungen werden gezählt:

1.      Allergisches Asthma

2.      Asthma durch unspezifische chemische oder physikalische Reize

3.      Anstrengungsasthma

4.      Schmerzmittel-Asthma

5.      Infekt-Asthma

6.      Asthma durch psychische Faktoren

Zu den letzteren meint die Fachmedizin:

„Psychische Faktoren allein können zwar kein Asthma auslösen, spielen aber eine wichtige Rolle beim Auslösen von Asthmaanfällen und beeinflussen so bei bereits vorhandenem Asthma die Krankheitssituation. Zum einen können Stress, Ärger und Konflikte bei Patienten mit hyperreagiblem Bronchialsystem Anfälle auslösen.“ (Voss, 8)

Aufgaben einer integrativen Atemtherapie

Die am Überschneidungsbereich von Körper und Psyche arbeitende Atemtherapie sollte  nicht einen alleinigen Anspruch auf Heilung erheben und die Erkenntnisse der „klassischen“ Medizin ablehnen (vgl. Weiss 205). Deshalb sollten Asthmatiker auch ihre Inhalatoren oder andere Medikamente mit in die Sitzung bringen, um sie im Bedarfsfall anzuwenden (Taylor, 1994, 11). Als Kontraindikation für intensive Atemtherapie gilt Asthma in Verbindung mit Kreislaufproblemen (Taylor, 1994, 21).

Die erste Aufgabe der Atemtherapie beim Asthmatiker liegt darin, dass er wieder Vertrauen zu seiner Atmung findet. Schließlich erlebt er seine Atmung vor allem dann bewusst, wenn ihre Normalfunktion aussetzt und ihn mit Todesängsten konfrontiert. Dass die Atmung die meiste Zeit seines Lebens normal abläuft, wird ihm gar nicht bewusst sein. So bildet sich Unsicherheit und Misstrauen gegen die Atmung, wodurch der Anfall noch verstärken wird, weil die Angst die bronchiale Anspannung verstärkt. Die Atmung wird zum „Feind“, die wieder lebensbedrohlich auftritt und in ihrer Funktion kontrolliert werden muss.

Sorgfältig angeleitetes und langsam vertieftes bewusstes Atmen verbindet den Klienten wieder mit der natürlichen Funktion seiner Atmung, die ihm abhanden gekommen ist. Er lernt, die Atmung als ein Tor zu einer verbesserten Körperwahrnehmung anzunehmen und gewinnt sie als „Freund“. Wenn es nun wieder zu einem Anfall kommt, kann das neugewonnene Vertrauen auf die Atmung helfen, besser mit den Ängsten zurechtzukommen und schneller wieder zur normalen Atmung zurückzukommen. Insbesondere das Erlernen einer entspannten Ausatmung, aber auch einer bedachten, kontrollierten und erweiterten Einatmung sowie die verstärkte Achtsamkeit auf den Umschwung von der Einatmung zur Ausatmung kann dabei wertvolle Dienste leisten. So betont der amerikanische Arzt Jonathan Weiss, dass das Erlernen einer entspannten Bauchatmung zu den wichtigsten Fertigkeiten zählt, über die ein Patient zwischen und auch während Anfällen verfügen sollte: „Relaxing and breathing abdominally can control anxiety and facilitate slower, easier, and deeper breathing.“ (Weiss, 217)

Robert Fried beschreibt den Vorgang genauer:

 „Auch wenn das Hauptproblem in den meisten Fällen von Asthma nicht im Einatem- sondern im Ausatemvolumen liegt, bewirkt die Steigerung des Einatem-Volumens einen heilsamen Effekt auf die Ausatmung.

Asthmatiker scheinen die Luft in Reserve festzuhalten. Das heißt, sie können wohl einatmen, haben dann aber die Neigung, nicht so voll auszuatmen wie die meisten nichtasthmatischen Klienten. Wenn sie eine tiefe Zwerchfellatmung lernen, insbesondere durch das Zurückziehen des Bauches durch das Zusammenziehen der Bauchmuskeln bei jedem Ausatemzug, können sie das Ausatemvolumen steigern. Das Einatemvolumen wird besser, wenn sie voller ausatmen. Das Erlernen des vollen Einatmens lehrt auch das vollere Ausatmen.“ (Fried, 154f)

Da beim Asthmaanfall das parasympathische Nervensystem dominiert und das sympathische geschwächt ist (was zu dem Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins des Klienten beiträgt), ist es besonders wichtig, in der Atemtherapie die bewusst gesteuerte und willentlich begleitete Ausatmung zu stärken und innerlich zu festigen.

Literatur:

Robert Fried: Breathe Well, Be Well. A Program to Relieve Stress, Anxiety, Asthma, Hypertension, Migraine, and Other Disorders for Better Health. New York: Wiley 1999

Hans Werner Voss: Asthma: Wie es dazu kommt und was man tun kann. Baltmannsweiler, Hohengehren: Schneider 1996

Kylea Taylor: The Breathwork Experience. Exploration and Healing in Nonordinary States of Consciousness. Santa Cruz: Hanford 1994

Jonathan H. Weiss: Behavioral Management of Asthma. In: Beverly H. Timmons & Ronald Ley (ed.), Behavioral and Psychological Approaches to Breathing Disorders. New York, London: Plenum Press 1994, S. 205-219